IHK-Gremium Erlangen: Wirtschaftsregion Erlangen

Das IHK-Gremium Erlangen und die Edition Spielbein in der Birke Verlagsgesellschaft haben erstmals die Wirtschaftsgeschichte der Region Erlangen vom 16. Jahrhundert bis heute ausführlich untersucht und die wichtigsten Weichenstellungen dokumentiert. In Reportagen, Essays und wissenschaftlichen Beiträgen berichtet das reich bebilderte Buch über die besondere Stellung, die sich Erlangen und sein Landkreis als Wirtschaftsstandort erarbeitet haben.


Der "Himbeerpalast"

Dieser Artikel ist in der Edition Spielbein zum Preis von 24,95 Euro inklusive Mehrwertsteuer erhältlich. Jetzt bestellen!

LESEPROBE


"... Es sind wohl drei Ereignisse in der Historie, die Erlangen einen Entwicklungsschub gegeben und auf Dauer charakterisiert haben: die Ansiedlung der Hugenotten ab 1686, die Gründung der Universität im Jahr 1743 und die Übersiedlung der Hauptverwaltung der Siemens-Schuckertwerke (SSW) aus Berlin in den Jahren unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Wenn auch die Gründung der Erlanger Neustadt und der Universität bis heute von großer wegweisender Bedeutung für Erlangen und das Umland sind, so trägt zur Prägung von Stadt und Region, zu deren wirtschaftlicher Entwicklung und zu deren Wohlstand kaum ein Faktor so sehr bei wie die Ansiedlung der SSW. Wie ist es dazu gekommen?

Die Vorläufer: Reiniger, Gebbert & Schall

Die Verbindungen von Siemens zu Erlangen reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück. Die Stadt ist seit der Ansiedlung der Hugenotten zunächst Mittelpunkt prosperierender Textilgewerbe und erwirbt sich durch ihre zahlreichen exportorientierten Brauereien einen Ruf, der weit über die Landesgrenzen dringt. Zur Zeit der Reichsgründung 1871 leben bereits drei Viertel der Bevölkerung von Handel, Handwerk und Industrie, während nur noch wenige ihr Auskommen in der Land- oder Forstwirtschaft finden. Mit der zukunftsweisenden elektrotechnischen Industrie gelangen seit den späten 1880er Jahren schließlich neue Impulse in den traditionsreichen Universitätsstandort. Sie führen zu einer erheblichen Beschleunigung des Wirtschaftswachstums. Die Bekleidungs- und Textilindustrie, die bis zum Ersten Weltkrieg ihre traditionelle Stellung vor Ort noch halten kann, verliert in der Folge gegenüber der stark expandierenden Elektroindustrie zunehmend an Bedeutung. Keimzelle der Elektroindustrie in Erlangen ist die Werkstätte des Mechanikers Erwin Moritz Reiniger, in der seit 1877 optische und elektromedizinische Apparate gefertigt werden. Nach der Fusion mit der Stuttgarter Firma Gebbert & Schall im Jahr 1886 wächst das Unternehmen rasant und beginnt erfolgreich mit der Medizinischen Fakultät der Universität zu kooperieren. Bereits kurze Zeit nach der Entdeckung der Röntgenstrahlen produziert Reiniger, Gebbert & Schall (RGS) die ersten Röntgenapparate. Mit immensem Erfolg: 1898 ist RGS in Deutschland führend in der Herstellung elektromedizinischer Geräte und Anlagen. Das renommierte Unternehmen beherrscht in den frühen 1920er Jahren rund drei Viertel des deutschen und einen beträchtlichen Teil des Weltmarkts im Bereich Medizintechnik. ..."