Hans-Diether Dörfler: Schildergeschichten

Das Nachschlagewerk „Schildergeschichten. Das Lexikon aller Erlanger Straßennamen“ erzählt erstmals die Geschichte aller bestehenden und erloschenen Straßennamen im Stadtgebiet – und bietet damit einen bunten Querschnitt durch die Stadtgeschichte.


LESEPROBE

Hugenottenplatz (95-96 28) Am 8.5.1936 verfügte Erlangens Oberbürgermeister Alfred Groß die amtliche Umbenennung des →LUITPOLDPLATZES in H. Anlass war die 250-Jahrfeier der Gründung der Neustadt Erlangen. Die Umbenennung und den Namen H. schlug die Presse- und Propagandastelle der Stadt Erlangen vor. Der Straßenname bezog sich auf die Vertreibung der Protestanten aus Frankreich und auf die ab 1686 nach dem Entwurf des markgräflichen Baumeisters Johann Moritz Richter errichtete und 1693 geweihte Hugenottenkirche. Mit ihrer Grundsteinlegung begann der Bau der Neustadt Erlangen für eines kleinen Teil der aus Frankreich vertriebenen Hugenotten. Im Idealplan der Hugenottenstadt bezeichnete Richter den Platz mit →PLACE DEVANT LE TEMPLE ET LA DOUANE. 1695-1812 hieß der Platz →FRANZÖSISCHER MARKT oder auch 1745-1887 →HOLZMARKT (I). 1887-1936 trug der Platz nach seiner ersten Umbenennung den Namen →LUITPOLDPLATZ.

Werner-von-Siemens-Straße (95 27-29) 1953-1978 zwischen Luitpold- und Nürnberger Straße. Am 25.2.1953 nannte der Stadtrat Erlangen die →RINGSTRAßE zwischen Luitpold- und Nürnberger Straße in W. um und vergab zugleich den Namen →SCHUCKERTPLATZ. Anlass war die offizielle Einweihung des Erlanger Verwaltungsgebäudes der Siemens-Schuckert-Werke AG („Himbeerpalast“) am 1.4.1953 zur 50-Jahrfeier des Unternehmens. Den Namen W. und die Umbenennung der RINGSTRAßE zwischen Luitpold- und Nürnberger Straße schlug Erlangens Oberbürgermeister Michael Poeschke bereits 1949 vor, doch sollte der Name erst zur offiziellen Einweihung des Verwaltungsgebäudes vergeben werden. Beabsichtigt war, eine enge Verbindung zwischen den Siemens-Schuckert-Werken (SSW) und ihrem neuen Standort herzustellen. Werner von Siemens, * 13.12.1816 Lenthe, † 6.12.1892 Berlin, dt. Ingenieur und Unternehmer, machte grundlegende Erfindungen auf dem Gebiet der Elektrotechnik und gründete 1847 zusammen mit J. G. Halske die heutige Firma Siemens. Das SSW-Verwaltungsgebäude wurde 1948-1953 errichtet und bot 3500 Mitarbeitern Platz. Die Baumaßnahme und die Verlegung des Firmensitzes nach Erlangen 1949 markierten die Entscheidung der SSW für den Standort Erlangen. 1885-1953 hieß die Straße RINGSTRAßE. 1978 wurde sie durch Umbenennung des →KOSBACHER DAMMS zwischen Nürnberger Straße und Frankenschnellweg in W. nach Westen verlängert.